In der Region gibt es die Kulturgottesdienste jetzt seit sieben Jahren. Die Ursprünge der beliebten Gottesdienstreihe reicht aber weiter zurück. 2008 fand der allererste Kulturgottesdienst in Cuxhaven statt. Pastor Florian Schwarz, der das Format erfunden hat, hat die Reihe mitgenommen auf seine weiteren Stationen.
Mittlerweile aber beschränkt er sich nicht mehr auf eine einzige Gemeinde, sondern geht mit seinem Format auch auf Tour: in andere Kirchengemeinden, in Friedhofskapellen, Gedenkstätten, Biergärten oder ins Zirkuszelt des Pigletcircus. Jeden Monat entwickelt er ein neues Programm für seine Stammkirche in Hoya. Mit welchen der Programme es dann auf Tour geht, entscheiden die Besucher.
„Meistens sind das dann die unterhaltsamen Kulturgottesdienst“, weiß Schwarz aus Erfahrung, „die Stammgäste schätzen hingegen die kontroversen Themen“. Und bei denen sei der Pastor froh, dass das Thema den Besuchern im Vorhinein bekannt ist und sie selbst entscheiden können, ob sie sich mit dem jeweiligen Thema auseinandersetzen wollen.
„Es gibt ganz einfach nichts, was in einer Kirche nicht zur Sprache kommen könnte. Und nach dem Segen hat ohnehin jeder Teilnehmer die Aufgabe, aus dem Gehörten eine eigene Sichtweise zu finden“, so Schwarz weiter.
Kernidee der Reihe sind die eingeladenen Künstler, die ihre säkulare und kulturelle Sicht auf ein Thema zeigen und mit der biblischen Betrachtungsweise in einen Dialog gehen. Manchmal geht das gut zusammen und manchmal schärfen gerade die Unterschiede die eigene Wahrnehmung.
Für das Jubiläum des 100. Programms am heutigen 3. Juli um 19.30 Uhr sind Kai und Funky von den „Ton Steine Scherben“ zu Gast im Zirkuszelt in Schinna. Mit einem Gottesdienst über deren Musik haben die Kulturgottesdienste vor 18 Jahren begonnen, und nun gönnen sie sich das Original.
Die Band „Ton Steine Scherben“ gründete sich Anfang der 70er Jahre in Berlin und lieferte den Soundtrack für eine ganze Generation politikinteressierter junger Menschen. „Die Texte sind gut gealtert und manchmal scheint es, dass die Worte für unsere heutige Lage geschrieben worden seien“, meint Florian Schwarz.
Das sei eine der Gemeinsamkeiten der Liedtexte und der biblischen Schriften: Beide beschreiben, was uns Menschen unbedingt angeht. So war es für den Theologen nicht schwer, für jedes liturgisches Element des Gottesdienstes – ob Kyrie oder Gloria, Lesung des Predigttextes oder Gebet – ein Pendant in den Liedern der Ton Steine Scherben zu finden.
„Ob man Gott in den Liedtexten einer Band entdeckt, deren erste Single „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ hieß und die eine Steinschleuder ihrer ersten LP beilegte, das liegt einzig und allein an der Bereitschaft, Gott darin finden zu wollen“, so der Pastor. „Und wenn Besucher des Abends das nicht wollen, sondern ‚nur‘ der Band zuhören wollen, sind sie genauso willkommen.
Wenn es danach bei manchen heißt: Ich glaube nicht an Gott, aber ich hatte einen schönen Abend bei der Kirche“, haben wir doch schon etwas erreicht.“
Im Anschluss an den Gottesdienst spendieren die Kirchengemeinde Schinna und die Klosterstiftung ein Konzert mit noch mehr Musik der Band.
Quelle: Die Harke vom 03.07.2026
